Pressemitteilung – Störfaktor Mensch am Bärwalder See

Störfaktor Mensch – neue Gedanken zum Artenschutz gefährden fischereiliche Nutzung am Bärwalder See

Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Landesverband Sächsischer Angler e. V.

Derzeit befinden sich zwei Verwaltungsverfahren zur Schiffbarkeit des Bärwalder Sees im Umlauf, die gewaltig für Sprengstoff sorgen. Die von der Landesdirektion Sachsen (LDS) vorgesehene Allgemeinverfügung am Bärwalder See sieht vor, eine zentrale Zone für den Naturschutz einzurichten. De facto ist beabsichtigt, zusätzlich zu den bestehenden Schutzzonen eine zentrale und dauerhafte Schutzzone von 2.000 m (kreisförmig) zu schaffen. Für diese gilt ein komplettes Befahrungsverbot für alle Wasserfahrzeuge. Weiterhin soll der komplette See im Zeitraum vom 01.11. bis 31.03. eines jeden Jahres für alle Wasserfahrzeuge gesperrt werden. Für die verbleibende Zeit gilt ein Nachtfahrverbot (einschließlich Dämmerungszeit). Ausschlaggebend soll laut Anhörungsunterlagen die Einschätzung der zuständigen Naturschutzbehörden auf Grundlage eines Artenschutzgutachtens aus dem Jahr 2018 sein. Jenes Gutachten selbst wurde dem Anglerverband „Elbflorenz“ Dresden e. V. (AVE) als Inhaber des Fischereirechtes und Verfahrensbeteiligten auch auf explizite Nachfrage nicht zur Verfügung gestellt. Als Gründe für die vorgesehenen Maßnahmen führt die LDS das Störungsverbot für europäische Vogelarten und den Schutz von Fortpflanzungs- und Ruhestätten an. Individualansammlungen einzelner Vogelarten wie Pracht- und Sterntaucher werden hierbei als lokale Population eingeordnet. Nach Auffassung der LDS hat der Bärwalder See für Prachttaucher eine mitteleuropaweite Bedeutung. Demzufolge müssten künftig „erhebliche Störungen“, zu denen die optische und akustische Wirkung durch die Nutzung von Wasserfahrzeugen zählt, unterbunden werden. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Wasserfahrzeuge tatsächlich störend wirken, sondern allein die Tatsache, dass es so sein könnte reiche aus, um die geplanten Befahrungsverbote zu rechtfertigen!

Dieser Entwurf der Allgemeinverfügung käme einer Enteignung des Fischereirechts gleich. Der AVE würde als Fischereiausübungsberechtigter in der Ausübung seiner Hegeverpflichtung signifikant eingeschränkt, das Fischereigesetz würde komplett ausgehebelt werden. Zudem würde diese Allgemeinverfügung zu einem Wegfall von Planungs- und Investitionssicherheiten (nicht nur für den Anglerverband) führen, was eine massive Gefährdung für die gesamte touristische Entwicklung in der Region nach sich zieht. Die Situation am Bärwalder See, dem größten Gewässer Sachsens, ist ein Präzedenzfall, welcher unter Umständen die gesamte Entwicklung der Bergbaufolgeseen in der Lausitz beeinflusst. Und das obwohl im verbindlichen Sanierungsrahmenplan geschrieben steht: „Der Restsee wird neben seiner Funktion als Wasserspeicher auch für die Freizeit- und Erholungsnutzung zur Verfügung stehen.“

Aus diesem Grund fordern wir:

  • von allen beabsichtigten Verboten abzusehen, den Bärwalder See dem naturnahen touristischen und erholenden Gemeingebrauch zu entziehen;
  • eine ordnungsgemäße fischereiliche Nutzung zu ermöglichen (auch die Schaffung von fischereilichen Infrastrukturmaßnahmen am Merzdorfer Ufer);
  • das behördliche Ermessen angemessen und verhältnismäßig im Interesse der Bevölkerung abzuwägen.

Wir, der Landesverband Sächsischer Angler e. V. und der Anglerverband „Elbflorenz“ Dresden e. V., werden uns mit allen Mitteln gegen die drohenden Einschränkungen wehren. Erst haben wir 8 Jahre dafür gesorgt, dass es einen guten und artenreichen Fischbestand im Gewässer gibt. Als Dank werden wir zukünftig schlimmstenfalls von den wichtigsten, fischereilich nutzbaren Flächen ausgesperrt! Gemeinsam mit unseren Partnern am Bärwalder See wollen wir uns für die Freizügigkeit in der Nutzung der Region als Ort der Erholung einsetzen. Hierbei geht es nicht darum, den Natur- und Artenschutz auszublenden. Ziel muss es sein, dass Maßnahmen aufgrund fundierter Fakten und mit Augenmaß unter Berücksichtigung aller Gewässernutzungen beschlossen werden. Den Menschen und die ordnungsgemäße fischereiliche Nutzung grundsätzlich als „Störfaktor“ zu deklarieren und uns Angler als verantwortungsbewusste Naturnutzer auszusperren, kann und darf nicht das Ziel der Politik und der Verwaltung sein.

Vorschau zum Thema: Bericht Verbandszeitschrift Fischer & Angler in Sachsen